5 Shot Methode für den Filmdreh

Erfolgsrezept für den Videodreh – die 5 Shot Methode

Damit genügend Material im Schnitt zur Verfügung steht, hat sich folgendes Rezept bewährt:

Das 5 zu 1 System oder 32(1) – System (5 Shot Coverage).
Der Film entsteht im Schnitt. Du schneidest als Videojournalist oder ambitionierter Amateur Deine Filme wahrscheinlich selbst, also solltest gerade Du beim Filmen darauf achten, schnittfähiges Material zu drehen.
Dabei können Fehler auftreten. Je nach Erfahrung des Filmers gibt es zwei Hauptfehler:

Videoneulinge drehen am Anfang zu viel und zu lang, weil es „so schön ist“ und nichts kostet.
Fotografen drehen meistens schöne Einzelbilder, die man aber nicht zusammenschneiden kann.

Wenn Du zu viel Material mitbringst, bedeutet das für Dich Überstunden beim Sichten und Verarbeiten des Materials. Es spart Zeit und Geld, wenn Du weniger, aber dafür gutes Material hast. Natürlich ist es aber immer besser, zu viel Material zu haben als zu wenig. Material liegen lassen kannst Du schließlich immer noch. Hast Du allerdings zu wenig schneidbares Material, hast Du ein echtes Problem. Dabei ist nicht die aufgezeichnete Menge entscheidend, sondern wie viel vomaufgenommenen Material sich auch gut schneiden lässt. Ein Amateur dreht zehn Speicherkarten voll und hat nicht einmal genug Stoff für drei Minuten. Ein Profi dreht nur ein einziges Tape und macht daraus einen guten 10-Minüter: Deine Ausbeute wird größer; wenn Du nach einem Schema filmst.

So stellst Du sicher, dass Du nicht wichtige Einstellungen vergisst. Besonders wenn Du Menschen bei einer Tätigkeit zeigst, ist es hilfreich, nach einem festen Strickmuster vorzugehen. Wenn Du einen Menschen filmst, mache zuerst drei Nahaufnahmen. Die Hände, das Gesicht, und noch mal die Hände, aber diesmal über die Schulter: Mit dieser Einstellung zeigst Du dem Zuschauer, was der Protagonist sieht. Jede dieser drei Einstellungen hältst Du für 15 Sekunden, zähle dabei von 21bis 35. Man unterschätzt beim Dreh sonst, wie lang 15 Sekunden sind. Wenn Du live vor Ort bist, sind 15 gefühlte Sekunden tatsächlich schon mal fünf tatsächliche Sekunden. Beim Schnitt ärgerst Du Dich, weil Du zu wenig Material hast. Besonders wenn Du eine sehr aktive Handlung hast, ist es gut, die Einstellungen lieber länger als kürzer zu drehen.Die drei Nahaufnahmen und alle folgenden Bilder wirst Du im Schnitt aneinander fügen. Deshalb sollte zumindest in den ersten fünf Bildern die gleiche Handlung passieren. Bitte also Deinen Protagonisten, die Handlung zu wiederholen. Oder warte, bis er es von selbst tut.Du hast in den drei Nahaufnahmen gezeigt, was eigentlich passiert. Das war die 3 von 321. Es ist an der Zeit, zu zeigen, wie und wo das Gezeigte passiert. Gehe also zwei Schritte zurück und zeige den Protagonisten noch einmal. Diesmalnimmst Du ihn so offen ins Bild, dass man gleichzeitig Hände und Gesicht, also mindestens den ganzen Oberkörper, sieht. Jetzt gehst Du noch einige Schritte zurück, bis Du die gesamte Szenerie siehst.Diese Aufnahme hilft dem Zuschauer, die Situation zu überblicken, sich ein Bildder Situation zu verschaffen. Diese letzten zwei weiten Bilder waren die 2 in 321. Die vielen Nahaufnahmen erzählen zwar Deine Geschichte, aber erst die beiden weiten Bilder geben demZuschauer eine räumliche Orientierung. Jetzt wird es Zeit für ein Schnittbild, die 1 in 321. Filme ein Bild, das inhaltlich mit der Situation zusammenhängt, aber den Hauptakteur nicht zeigt. Dieses Bild heißt Schnittbild, weil Du es später zwischen verschiedene Handlungssequenzeneinbauen kannst. Im Schnittalltag bist Du ohne Schnittbilder verloren. Vorausgesetzt, Dir ist sauberes bildliches Storytelling wichtig, was bei Online-Videos nicht unbedingt selbstverständlich ist.

BEISPlEL: EIN BÄCKER BEI DER ARBEIT

Zuerst filmst Du die drei nahen Einstellungen, jeweils für 15 Sekunden.

Hand/Hände bildschirmfüllend, wie der Bäcker den Teig formt.
Gesicht bildschirmfüllend: der Bäcker blickt konzentriert auf seine Arbeit während seine Hände ausserhalb des Bildausschnittes weiterarbeiten
Relativ nahe Aufnahme über die Schulter des Bäckers: Der Zuschauer sieht, was der Bäcker überhaupt mit seinen Händen formt.
Nun folgen zwei Einstellungen, in denen Du die Situation zeigst
Halbnahe – man sieht jetzt, dass der Bäcker an seinem Arbeitstisch steht.
(Halb-)Totale: der Zuschauer bekommt (erst jetzt) einen Überblick über die gesamte Szene, nämlich den Bäcker seiner Backstube
Zum Abschluss der Sequenz filmst Du das charakteristische Schnittbild, in dem die Hauptperson nicht vorkommt:
Nahaufnahme: die fertig geformten Brote liegen bereit

Wenn es keine schwerwiegenden Gründe dagegen gibt, verwende 321 als Grundschema für alle Deine Filmaufnahmen. Du kannst diese Bilder ja mit anderen Bildern erweitern. Bevor Du das tust, stelle sicher; dass Du per 321 die notwendigen Mindestaufnahmen gesichert hast. Es kann nicht schaden, 321 zu üben, bevor Du es tatsächlich einsetzt.

Literatur: Der Videojournalist – Wie man mit DV-Kamera und Computer erfolgreich für das Fernsehen arbeitet. Autor: Dushan Wegner, Mediabook Verlag
Link: Videoguide des Schweizer Fernsehens www.videoguide.sf.tv
Tipps für bessere Kameraführung: Mit dem Körper filmen!

Deine Filme werden um 100 % attraktiver, wenn Du Dir eine ruhige, wackelfreie und kontrollierte Bewegung der Kamera antrainierst. Du filmst nicht mit der Kamera – Du filmst mit Bizeps und Knien. Du musst Dich sanft und kontrolliert bewegen, als würdest Du Tai-Chi-Übungen absolvieren. Halte Deine Kamera zehn Sekunden auf das Gesicht des Protagonisten. Zeige seine Hände für zehn Sekunden. Mache drei Schritte zurück und zeige ihn in der Halbtotalen. Zwischen diesen Einstellungen bewegst Du die Kamera glatt und kontrolliert, so dass auch die Bilder zwischen den Haupteinstellungen gut aussehen. Wenn Du Die Kamera nur mit den Armen bewegst, machst Du etwas falsch.
Du musst tanzen.
Wenn Du näher ran möchtest, schiebe nicht nur einfach dieKamera nach vorne (ausgestreckte Arme machen wackelige Bilder), sondern gehe lieber einen ruhigen und kontrollierten Schritt nach vorn.
Du musst zu jedem Zeitpunkt die volle Kontrolle über Inhalt und Ästhetik Deiner Bildern haben. Schaue Dir Deine Bilder im Nachhinein an.
Schlechte Bilder haben grundsätzlich eine Ursache: Du hast die Situationen nicht kontrolliert.

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